Schlechte PR: Brandbeschleuniger für Fake News

Beispiel Bundestagswahl zeigt: Stärkste Fake News wurden durch schlechte Öffentlichkeitsarbeit angestoßen

Wenn Fake News eine große öffentliche Wirkung entfalten, ist oft fehlerhafte oder irreführende Öffentlichkeitsarbeit der Ausgangspunkt. Das ist ein Ergebnis der Medienanalysen, die UNICEPTA für die Stiftung Neue Verantwortung im Rahmen einer großen Fake-News-Studie zur deutschen Bundestagswahl durchführte.

So hatten die fünf Fake News mit der stärksten Wirkung (von insgesamt zehn untersuchten Fällen) jeweils eine unzureichende oder missverständliche Öffentlichkeitsarbeit zur Grundlage. Darunter fielen beispielsweise ein Tweet der Hamburger Polizei im Rahmen der G20-Proteste, dass ein Polizist durch einen Böllerwurf eine Augenverletzung erlitten habe, sowie eine Pressekonferenz des Bayerischen Innenministeriums zu vermeintlich dramatisch gestiegenen Vergewaltigungszahlen.


In der Entstehung von Fake News ist ein Muster zu erkennen: Zunächst werden durch öffentliche Stellen falsche oder irreführende Informationen verbreitet. Diese Informationen werden dann von politischen Akteuren oder Medien zu Falschnachrichten zugespitzt – mit Verweis auf die vermeintlich seriöse Quelle der Information. 

Das Problem: Haben reichweitenstarke Multiplikatoren die Fake News erst einmal in die Welt gesetzt, ist es schwer, diese durch eine Richtigstellung wieder einzufangen. Die Themenkarriere des falschen Narrativs ist dann zumeist schon sehr weit fortgeschritten.

Die gute Nachricht: Verantwortungsvolle und schnelle PR kann dabei helfen, eine Fake News schon in ihrer Entstehung zu verhindern. So schaffte es das Innenministerium Nordrhein-Westfalen die Falschnachricht einzufangen, es gäbe einen Erlass an die Polizei mit der Anweisung, Straftaten von Migranten weniger stark zu verfolgen. Nachdem die Behörde von einzelnen Social-Media-Nutzern auf ein entsprechendes zirkulierendes Dokument hingewiesen wurde, dementierte die Behörde energisch am selben Tag – noch bevor einflussreiche Multiplikatoren die Meldung aufnahmen, um ihre eigene politische Agenda zu befeuern.

Der Impuls „Bad PR: the Fire Accelerant for Fake News” steht ganz unten auf dieser Seite zum Download bereit. Er liefert auch Hinweise darauf, wie Kommunikatoren mit dem Phänomen Fake News umgehen können:

1 - Seien Sie genau 

Bestimmte Multiplikatoren warten nur auf irreführende Informationen, die ihre Agenda bestätigen; seien Sie unmissverständlich.


2- Hören Sie genau zu

Viele Social-Media-Nutzer entwickeln ein Gespür für Fake News und fragen bei den Stellen nach, bei denen sie die die richtigen Informationen vermuten.


3 – Seien Sie schnell

Wenn Sie Fake News eindämmen möchten, sollten Sie am selben Tag antworten.


4 - Gehen Sie in die Vollen

Lassen Sie wichtige Repräsentanten die Fake News berichtigen (hängt vom Risikopotential der jeweiligen Fake News ab).

 

Den kompletten Studienreport der Stiftung Neue Verantwortung zur Wirkung von Fake News im Kontext der Bundestagswahl 2017 finden Sie hier: https://www.stiftung-nv.de/en/node/2205

Über UNICEPTA

Die UNICEPTA Medienanalyse GmbH ist ein führender globaler Dienstleister für Smart Media Intelligence in den Bereichen Innovations/Digital Consulting, Media Monitoring, Media Analysis und Research/Consulting. Rund 700 Spezialisten in Köln, Berlin, Stuttgart, Shanghai, Krakau und Washington, DC strukturieren den Newsflow – rund um die Uhr, rund um die Welt. Die UNICEPTA bereitet hochrelevante Informationen aus Print- und Online-Medien, TV und Rundfunk sowie Social Media kurzfristig auf. Aus dieser täglichen Arbeit leitet sie vorstandsfähige Analysen und research-basierte Beratungen in Fragen der strategischen Kommunikation ab.

 

Kontakt

UNICEPTA Medienanalyse GmbH
Salierring 47-53
50677 Cologne

 

Wolf-Dieter Rühl
Tel.: +49 (0)221 99 02-110
wolf.ruehl@unicepta.com

www.unicepta.com