Die Vermessung der Fake News

 

Welchen Impact entwickeln Fake News tatsächlich? Wer sind die einflussreichsten Verbreiter von Fake News? Und wie wirkt die Gegendarstellung, das sogenannte „Debunking“?

In einem gemeinsamen Projekt mit der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin erforscht UNICEPTA im Kontext der Bundestagswahl, wie einzelne Fake News im Netz viral gehen. Dazu analysieren wir die gesamte öffentlich zugängliche Online-Kommunikation – darunter Facebook, Twitter, YouTube, Online-Nachrichtenseiten, Foren und Blogs.

In einem ersten Testcase haben wir uns die Fake News um die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, angeschaut und ihre Reise durch die Online-Öffentlichkeit nachkonstruiert. Anlass war ihre Rede auf dem Kirchentag in Berlin, in der Käßmann sich der Familienpolitik der AfD annahm und deren Parteiprogramm kritisierte.

Diese Kritik nahm die dem rechten Spektrum zuzuordnende Online-Zeitung Epoch Times Deutschland in einem Beitrag auf und stellte fälschlicherweise fest: „Margot Käßmann bezeichnet Bundesbürger mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern als Nazis“. Die Resonanz unter ihren Lesern war sehr hoch, die Fake News verbreitete sich rasend schnell weiter und löste das höchste „Engagement“ (also die Summe aus Shares, Likes und Comments) in Social Media (Twitter & Facebook) bei diesem untersuchten Fall aus.

Die AfD und ihre Parteianhänger teilten anschließend mehrere Postings auf Facebook mit verfälschten Käßmann-Zitaten, die ebenfalls ein hohes Engagement auf sich vereinten. Die beiden erfolgreichsten „Debunker“, der Faktenfinder der Tagesschau und die Berliner Morgenpost, erzielten dagegen niedrigere Engagement-Zahlen, auch wenn ihre jeweiligen Webseiten höhere direkte Reichweiten („Page Impressions“) aufweisen.    

Bereits wenige Verbreiter der Fake News machen im konkreten Fall einen Großteil der viralen Reichweite aus. Auch das Verhältnis zwischen der Verbreitung der Fake-News und ihrem Debunking fällt dementsprechend aus. So beinhalten ein Viertel der von uns analysierten 510 Artikel und Postings (siehe Grafik) das Fake-News-Narrativ und nur 15 Prozent das Debunking – die 25 Prozent Fake News kommen zudem zusammengerechnet auf fast doppelt so viel Engagement.    

Unter den 46 Prozent im Bereich „None“ verbirgt sich dann ein großer Teil von „Anschlusskommunikation“, wie der Tweet der ehemaligen CDU-Abgeordneten Erika Steinbach, die Käßmann „linksfaschistische Ergüsse“ unterstellt. Oder ein weiterer Artikel der Berliner Morgenpost, die wiederum über Steinbach berichtet. Zudem finden sich hier viele abwertende Kommentare einzelner Nutzer zu Käßmann, ohne dass jedoch das Fake-News-Narrativ explizit benutzt wurde.

Auffällig ist: kein einziges seriöses Online-Medium teilt die Fake News – von Spiegel Online bis bild.de widmen sich alle vorrangig dem Debunking bzw. Käßmanns Klageandrohung. Detailliertere Informationen zu der Käßmann-Analyse findet sich hier: https://www.stiftung-nv.de/sites/default/files/fakenews.pdf

Ziel der laufenden Untersuchung ist es, über die Analyse weiterer Fake-News-Fälle bestehende Strukturen und Muster aufzuzeigen und zu verstehen. Mittels einer Befragung der Wähler nach der Bundestagswahl wollen wir zudem herausfinden, was am Ende hängen bleibt: Ist es trüb die Erinnerung an das Narrativ der Fake News oder erreicht das Debunking genug Menschen, um den faulen Nachrichtenzauber zu enttarnen?

Über UNICEPTA

Die UNICEPTA Medienanalyse GmbH ist ein führender globaler Dienstleister für Smart Media Intelligence in den Bereichen Innovations/Digital Consulting, Media Monitoring, Media Analysis und Research/Consulting. Rund 700 Spezialisten in Köln, Berlin, Stuttgart, Shanghai, Krakau und Washington, DC strukturieren den Newsflow – rund um die Uhr, rund um die Welt. Die UNICEPTA bereitet hochrelevante Informationen aus Print- und Online-Medien, TV und Rundfunk sowie Social Media kurzfristig auf. Aus dieser täglichen Arbeit leitet sie vorstandsfähige Analysen und research-basierte Beratungen in Fragen der strategischen Kommunikation ab.

 

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